Mal umgedreht

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Mal umgedreht

Seit zehn Jahren ist das Team der Lokallust in Dorsten unterwegs, um Geschichten über Menschen aus unserer schönen Stadt zu schreiben.

Wie uns zu Ohren kam, wollte unser Bürgermeister Tobias Stockhoff schon immer mal ein Interview führen, sozusagen „den Spieß umdrehen“. Nun, im Rahmen unserer „Geburtstagsausgabe“, sollte er endlich die Gelegenheit dazu bekommen und lud Martina Jansen, Redakteurin, und Christian Sklenak, Medienberater und Ausgabenverantwortlicher, ins Bürgermeisterbüro ein. Unter dem Titel „Mal umgedreht“ beantworten die beiden die Fragen, die Tobias Stockhoff, besonders bezüglich des Stadtmagazins, schon immer stellen wollte.

Seine erste Frage richtete Tobias Stockhoff direkt an Christian Sklenak: „Wer kam eigentlich auf die Idee und den Titel der Lokallust und wofür steht sie?“
Christian Sklenak: „Die Idee entstand vor elf Jahren. Mehr oder wenig gefrustet von der Entwicklung unseres alten Arbeitgebers, einem großen Medienhaus, taten wir uns mit einigen Kollegen zusammen und entwickelten die Idee der Lokallust. Wir wollten etwas Regionales machen, darüber schreiben, was im direkten Umfeld der Menschen geschieht. Und wir wollten Anzeigenkunden ein Produkt bieten, mit dem sie eine hohe Reichweite erzielen konnten. Der Titel spricht dabei für sich– wir möchten nach wie vor, auch noch nach zehn Jahren, Geschichten über Menschen aus Dorsten schreiben.“

Tobias Stockhoff: „Also kann ich dann davon ausgehen, dass Ihnen die Arbeit Spaß macht?“
Christian Sklenak: Definitiv! Nach wie vor finde ich den Kontakt zu den Menschen und auch zu den Anzeigenkunden interessant. Monat für Monat lerne ich neue Menschen kennen. Wie viele es sind, merke ich oft beim wöchentlichen Einkauf. Von ganz vielen mir entgegenkommenden Menschen werde ich gegrüßt. Mit vielen unserer langjährigen Anzeigenkunden verbindet mich heute ein fast schon freundschaftliches Verhältnis.
Martina Jansen: „Ich bin ja erst seit vier Jahren dabei, aber ich kann mir nichts Besseres vorstellen. Ich komme ursprünglich aus einem gänzlich anderen Beruf, habe aber schon immer gerne gelesen oder geschrieben. Als ich Christian kennenlernte und er mir zutraute, ohne redaktionelle Vorkenntnisse für die Lokallust zu schreiben, habe ich es einfach mal versucht.“
Christian Sklenak: „Und du bist zum Glück geblieben! Dass Martina keine ausgebildete Redakteurin ist, spielt für die Lokallust mit ihren Lesegeschichten über die Menschen unserer Stadt keine Rolle. Sie ist eine empathische, fantasievolle und schreibbegeisterte Kollegin, wie sie es auch in ihren Büchern beweist.“
Sie ist nicht nur eine schreibbegeisterte Kollegin, sondern auch eine empathische und fantasievolle Geschichtenschreiberin, wie sie in ihren Büchern beweist.“
Martina Jansen: „Und anfangs war mir noch nicht einmal klar, dass ich sogar ein Honorar für meine Geschichten bekomme. Ich hätte auch aus purer Lust am Schreiben die Geschichten erzählt, aber das darf ich ja eigentlich nicht laut sagen.“

Tobias Stockhoff: „Man kann also sagen: Die Lokallust ist ein Magazin aus der Stadt für die Stadt?“
Christian Sklenak: „Der Verlag hat seinen Sitz zwar in Unna, aber wir kommen aus und leben in Dorsten und der näheren Region, Martina in Wulfen, Gundis Jansen-Garz, die die Schermbecker Seiten mit Leben füllt, wohnt in Kirchhellen und auch unser Kolumnist Fritz Schaefer ist gebürtiger Dorstener. Er ist den Menschen durch seine Hörspielserie ‚Pommes-Soko‘ bekannt und seine Kolumnen sorgen Monat für Monat für reges Interesse. Ich persönlich lebe in Altendorf.“
Martina Jansen: „Dass wir in der Umgebung wohnen, hat den Vorteil, dass wir mitten im Geschehen sind. Wir arbeiten alle im Homeoffice, verstehen uns aber dennoch, oder auch vielleicht gerade deswegen sehr gut, und sind ein tolles Team.“

Tobias Stockhoff: „Ich sehe oft bei meinen zahlreichen dienstlichen Besuchen die Lokallust in privaten Haushalten liegen, ein Zeichen dafür, dass sie auch gelesen wird. Welche Stellung hat Ihr Magazin in der Dorstener Medienlandschaft?“
Martina Jansen: „Wir versuchen bewusst, unsere Themen bunt zu streuen, damit wirklich für jeden Leser etwas dabei ist. Daher bekommen wir oft positive Rückmeldungen über unsere Geschichten aus allen Altersschichten, sei es, dass die Hauptpersonen auf ihre Story oder ihr Foto angesprochen werden, mehr Eintritte in beispielsweise Vereine oder Chöre zu verzeichnen sind oder die Leser Dorsten anschließend anders wahrnehmen. Das ist eine tolle Wertschätzung uns gegenüber.“
Christian Sklenak: „Wir sind bei Lesern und unseren Werbekunden gleichermaßen gut angesehen. Wir können natürlich nicht so aktuell sein wie die Tagespresse, außer vielleicht auf unserer Homepage www.lokallust.de, aber das ist auch nicht unser Ziel. Als kostenloses Familienmagazin möchten wir die breite Masse der Leserinnen und Leser erreichen. Wir werden von jungen Familien genauso gerne gelesen, wie von der älteren Generation. Das Magazin bleibt lange in den Haushalten liegen und unsere Leser nehmen es immer wieder gerne in die Hand. Nicht selten hören wir, dass die Leser die ‚alte‘ Lokallust erst ins Altpapier stecken, wenn die neue Ausgabe im Briefkasten steckt. Diese lange Verweildauer mit unserem Produkt ist auch für die Anzeigenkunden ein Argument, denn ihre Werbebotschaft bleibt somit rund vier Wochen für die Leser sichtbar.“
Tobias Stockhoff: „Auch ich höre oft, dass die betreffenden Personen sich gut dargestellt fühlen und sich in Ihren Texten wiedererkennen. Das ist doch ein schönes Lob oder?“
Martina Jansen: „Ja natürlich! Ein viel größeres Lob können wir doch gar nicht bekommen!“

Foto oben rechts: Bürgermeister Tobias Stockhof (hinten) lud Martina Jansen und Christian Sklenak anlässlich des Lokallust-Jubiläums ins Bürgermeisterbüro

Tobias Stockhoff: „Sie kommen ja bei Ihren Interviews viel herum. Was unterscheidet Dorsten aus Ihrer Sicht von anderen Städten im (Um-)Kreis?“
Christian Sklenak: „Dorsten hat einen gewachsenen Stadtkern mit einer langen Historie und Dorsten ist, ohne es unverschämt zu meinen, ein Dorf. Die Dorstener kennen sich noch und das ist ausschlaggebend für den Erfolg eines Stadtmagazins, so wie wir es produzieren. Ähnlich ist es in Haltern am See – und auch dort funktioniert die Lokallust wunderbar.“
Martina Jansen: „Das ist auch entscheidend für die Lesegeschichten an sich. Ich lebe seit 27 Jahren in Dorsten und kenne mittlerweile auch viele Geschichten zwischen oder hinter den Geschichten. Das beeinflusst natürlich meine Texte positiv. Wir kommen wie Freunde zu unseren Gesprächspartnern und sie wissen genau, dass wir schöne Geschichten schreiben und sie positiv darstellen möchten. Und sie wissen auch, dass das, was nicht zur Veröffentlichung freigegeben ist, bei uns bleibt.“

Tobias Stockhoff: „Was muss Dorsten noch mehr lernen, wo müsste Dorsten sich noch verändern?“
Christian Sklenak: „Dorsten muss sich nach außen noch besser vermarkten. Wir leben doch in einer tollen Stadt. Meiner Meinung nach müssen wir noch viel mehr aus unserer ‚guten Stube‘, dem Marktplatz, machen. Die Giebelhäuser mit schöner Gastronomie, das alte Rathaus, dahinter die Agatha-Kirche, ein so attraktives Flair hat kaum eine zweite Stadt im Kreis zu bieten. Die Lokallust ist auch ein Stück weit Stadtmarketing. Wir möchten den Menschen zeigen, wie schön Dorsten ist.“
Martina Jansen: „Das sehe ich auch so wie Christian. Wir haben nicht nur einen tollen Marktplatz, sondern auch viele weitere attraktive historische Gebäude. Dazu ein gut ausgebautes Fahrradwegenetz und mehr als drei Viertel der Dorstener Stadtfläche bestehen aus Wald und landwirtschaftlichen Flächen. Nicht zu vergessen sind auch Lippe und Kanal. Unsere Stadt hat damit eigentlich alles, was man touristisch gut vermarkten könnte.“

Tobias Stockhoff: „Was war bislang Ihre schönste oder lustigste Geschichte?“
Martina Jansen: „Schön sind auf ihre Art alle meiner mehr als 250 Geschichten. Aber wenn ich eine nennen muss, dann war es für mich meine erste Geschichte über Christian Joswig und das neu eröffnete soziokulturelle Zentrum ‚Das LEO‘. Sie war ja vorher nicht geplant und war mein Einstieg bei der Lokallust. Ganz besonders lustig war aber auch unser Treffen mit Matthias Rauch.“
Christian Sklenak: „Das hat richtig Spaß gemacht mit Matthias Rauch. Wir trafen uns in einem Eiscafé am Marktplatz und Matthias hat die Menschen um uns herum eingebunden und sie mit Kartentricks unterhalten.“

„Und was war bislang Ihre emotionalste Geschichte?“
Martina Jansen: „Für mich gibt es eindeutig vier emotionale Geschichten. Alle handeln vom Älterwerden, vom Interesse am Zeitgeschehen und an der Jugend sowie von der Liebe und dem Zusammenhalt in der Familie. Drei dieser Geschichten über Dorstener Seniorinnen und Senioren haben mich sehr berührt. Aber auch die von mir erdachte Weihnachtsgeschichte ‚Erinnerungen‘ in der letzten Ausgabe ist sehr emotional geworden und als ich sie zur Weihnachtszeit noch einmal las, ist mir sogar mein eigener Text nahe gegangen.“
Christian Sklenak: Emotional waren für mich unsere Charity-Aktionen. ‚Kein Kind ohne Mahlzeit‘ oder auch die Charity-Aktion für die Mr. Trucker Kinderhilfe waren Aktionen, bei denen wir mit der Unterstützung unserer Werbepartner und der Spendenbereitschaft unserer Leser ein tolles Ergebnis erzielen konnten. Ganz besonders aber war die Charity-Aktion für den Altendorfer Nils Winkel Ende 2018, der dringend einen Begleithund benötigte. Das ist förmlich ‚explodiert‘. Nie zuvor haben unsere Werbekunden so viel gespendet und sechs Tage nach unserer Veröffentlichung kam vom WZ-Hundezentrum die Info, dass die noch benötigte Summe, immerhin rund 17.000 Euro, eingegangen war. Das war mit das schönste Erlebnis in den zurückliegenden zehn Jahren.“

Tobias Stockhoff: „Welche Geschichte hat Sie denn am meisten beeindruckt?“
Christian Sklenak: „Das war meine Nacht in der Bäckerei Imping. Das war so ein Erlebnis, das man sich nicht kaufen kann. Ich durfte Julia Imping in der Backstube auf der Hardt durch die Nacht begleiten und ich hatte niemals das Gefühl zu stören. Alle Mitarbeiter nahmen sich für meine Fragen Zeit. Ich war überrascht, welche Mengen an Backwaren in einer Nacht produziert werden und fuhr morgens mit einem backfrischen Croissant total begeistert nach Hause.“

Tobias Stockhoff: „Und jetzt Hand aufs Herz: Ist schon mal etwas richtig schief gelaufen?“
Martina Jansen: „So richtig nicht. Zum Glück haben wir die Zeit, damit unsere Hauptpersonen ihre Geschichten immer gegenlesen und Aussagen streichen können. Die Geschichten sollen ihnen schließlich gefallen. Die Änderungen waren bisher immer sehr gering, sodass ich mit gutem Gewissen meinen Namen drunter schreiben konnte. So habe ich noch keinen dicken Bock geschossen, dennoch finden wir jedes Mal, wenn wir die Printausgabe in den Händen halten, recht schnell den ersten Tippfehler.“
Christian Sklenak: „Oder ein unpassendes Foto. Wir haben im Dezember 2018, in deinem Steckbrief über den Bischof von Myra, vergessen den Platzhalter auszuwechseln und statt des Fotos vom Bischof das eines hüpfenden amerikanischen Weihnachtsmannes eingesetzt.“
Martina Jansen: „Oh ja, und da haben wir auch zu Recht richtig Schelte bekommen.“
Christian Sklenak: „Vor vielen Jahren hatten wir einmal, bedingt durch einen Fehler in unserer Grafikabteilung, ein Titelblatt, auf dem sämtliche Schriften bis auf den Lokallust-Schriftzug fehlten. Es gab nur den erwähnten Schriftzug, ein großes Foto und eine Anzeige von Imping auf dem Titelblatt. Für die Leser wahrscheinlich die Ausgabe mit den größten Überraschungen bei der Auswahl der Geschichten. Aber darüber können wir im Nachhinein schmunzeln. Auch bei der Lokallust arbeiten Menschen und die machen bekanntlich Fehler.“

Foto oben rechts: Auch unser Bürgermeister hatte sichtlich Spaß am Gespräch

Tobias Stockhoff: „Das ist ja zum Glück jetzt ausgestanden. Worüber möchten Sie in 2020 auf jeden Fall schreiben?“
Christian Sklenak: „Das ist eine spannende Frage, ich wusste, dass Sie sie stellen werden. Wir müssen stets neu überlegen, wie wir die Lokallust gestalten, ob von der Auswahl des redaktionellen Inhaltes oder auch im Bereich der grafischen Ausgestaltung, sie soll für unsere Leserschaft ja dauerhaft ein lesenswertes Magazin bleiben. Alle Änderungen erfolgen bei uns dabei stets nach und nach im laufenden Prozess. Das Thema Nachhaltigkeit finde ich sehr interessant und die einzelnen Stadtteile einmal zu beleuchten hätte ebenso seinen Reiz. Über Menschen mit interessanten und außergewöhnlichen Hobbys schreiben wir immer gerne Geschichten.“
Martina Jansen: Sicherlich wird auch die Kommunalwahl bei uns eine Rolle spielen, aber eher mit der Geschichte ‚hinter den Kulissen’. Politisch werde ich auch 2020 nicht schreiben. Da wir nur einmal im Monat erscheinen, kann ich gegebenenfalls bei Gegenwind nicht schnell genug reagieren.“

Tobias Stockhoff: „Aber, Sie haben ja auch so genug Themen, die für viele weitere Ausgaben reichen.“
Martina Jansen und Christian Sklenak unisono: „Auf jeden Fall!“

Tobias Stockhoff: „Und was wollten Sie den Dorstener Bürgermeister schon immer einmal fragen?“
Christian Sklenak: „Da fällt mir ad hoc nichts ein. Aber wenn ich einmal eine Frage hätte, dann wüsste ich, dass ich immer die Gelegenheit bekommen würde, Ihnen diese stellen zu können. Wie der Name schon sagt, empfinde ich Sie als unseren ‚Bürger‘-Meister, mit der Betonung auf ‚Bürger‘ und das gänzlich unabhängig von Ihrer politischen Herkunft. Sie haben stets ein offenes Ohr für die Menschen unsere Stadt und wenn jemand eine Frage an Sie hätte, dürfte er diese sicherlich jederzeit stellen. So weiß auch ich: Wenn die Frage da ist, dann nehme ich zu Ihnen Kontakt auf.“
Martina Jansen: „Ende 2016 haben wir beide bei schönstem Wetter auf der Bank im Garten der Tüshaus Mühle gesessen und bei der ‚Heute-treffe-ich-Geschichte‘ die Zeit beim Reden vergessen. Dabei habe ich so viel über Sie erfahren dürfen, sodass ich nun keine persönliche Frage mehr an Sie habe. Ansonsten stimme ich Christian zu, dass die Bezeichnung ‚Bürger‘-Meister bei Ihnen voll zutrifft. Sie sind immer höflich, auch bei verbalen Angriffen in den sozialen Medien sachlich und stets bereit, sich den Fragen und Problemen der Bürger zu stellen.“

Tobias Stockhoff: „Dass ich ein Bürgermeister ‚zum Anfassen‘ bin, das höre ich natürlich sehr gerne und so soll es ja auch sein!“

Foto oben rechts: Uns allen hat das lockere Gespräch viel Spaß gemacht und so bedankt sich das Dorstener Team der Lokallust mit Christian Sklenak und Martina Jansen nochmals bei Tobias Stockhoff für dieses Interview

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